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Bochum, 26.11.2003
Nr. 362
  
HIV: Hoffnungen und besorgniserregende Sorglosigkeit
Zwei neue Impfstoffe, Wirkstoffe mit neuem Angriffspunkt
Prof. Brockmeyer zum Welt-AIDS-Tag 2003
  

«In den letzten zwei Jahrzehnten ist in keinem medizinischen Bereich so intensiv und erfolgreich geforscht worden wie auf dem Gebiet von AIDS», zieht Prof. Dr. Norber H. Brockmeyer (Dermatologische Klinik der Ruhr-Universität Bochum), Präsident der Deutschen AIDS-Gesellschaft (DAIG) Bilanz: Binnen kürzester Zeit war das Virus identifiziert, hochwirksame Medikamente können inzwischen den Ausbruch und Verlauf der Krankheit um Jahre verzögern. Dieses Jahr erwachen neue Hoffnungen: Zwei Impfstoffe zur Prävention und Therapie werden gerade in Deutschland getestet, endlich gibt es auch wieder einen Wirkstoff mit neuem Angriffspunkt gegen das Virus. Durch diese Erfolge hat AIDS viel von seinem Schrecken verloren vielleicht zu viel, denn die in den letzten Jahren wieder steigenden Ansteckungsraten zeugen von einer besorgniserregenden Sorglosigkeit. Die Gründe dafür: Die Therapieerfolge werden überschätzt, Safer Sex scheint von gestern und die öffentlichen Beratungsstellen leiden unter Sparzwang.

Lebensversicherung für HIV-Patienten
Zuerst die gute Nachricht: «Die Behandlungsergebnisse der hoch aktiven antiretroviralen Therapie (HAART) sind in den Industrieländern inzwischen so gut, dass sie durchaus mit denen einer erfolgreichen Krebstherapie verglichen werden können», so Prof. Brockmeyer. So hat die Swiss HIV Cohort Study-Gruppe für Patienten ohne Koinfektion mit Hepatitis-C-Viren eine zusätzliche Sterberate (excess death rate) von 14 pro 1000 Patientenjahren errechnet (Lancet 2003; 362: 87778). Dieser Wert entspricht dem von Patienten nach einer erfolgreichen Krebsbehandlung. «Da Karzinompatienten nach erfolgreicher Therapie von vielen Lebensversicherungen eine Police angeboten wird, sollte diese Möglichkeit auch HIV-Patienten eröffnet werden», folgert Brockmeyer.

Seit sieben Jahren erstmals ein Wirkstoff mit neuem Angriffspunkt
Auch die Entwicklung neuer Impfstoffe weckt Hoffnungen. In diesem Jahr sind in den USA vier neue antiretrovirale Wirkstoffe zugelassen worden das sind in einer solchen Zeitspanne mehr als jemals zuvor. Sie wirken teilweise nicht nur gegen resistente HI-Viren; mit Enfuvirtide ist nach sieben Jahren auch erstmals wieder ein HIV-Therapeutikum mit neuem Angriffspunkt in die Klinik gekommen. Weitere Substanzen mit neuen Angriffspunkten gegen HIV sind bereits in Erprobung, so dass sich die Lebenserwartung und Lebensqualität der Patienten unter Therapie wahrscheinlich weiter verbessern wird. «Von diesem Fortschritt ausgeschlossen sind nach wie vor Patienten in den Entwicklungsländern und in einigen unserer östlichen Nachbarstaaten», schränkt Brockmeyer ein. «Diesen Missstand zu beseitigen, muss auch unser Einsatz gelten.»

Zwei neue Impfstoffe im Test
Zu den weiteren positiven Entwicklungen gehört, dass in wenigen Wochen erstmals auch in Deutschland (Universität Regensburg) sowohl Komponenten einer zur Prävention entwickelten HIV-Impfung sowie eines therapeutischen Impfstoffs getestet werden. Bei den Impfstoffkandidaten handelt es sich um attenuierte (abgeschwächte), rekombinante Vakzinia-Viren (NYVAC), welche mit Genen (gag, pol, nef und env) vom HIV-1 Subtyp C (für die Prävention) bzw. vom HIV-1 Subtyp B (zur Unterstützung der Therapie) ausgestattet worden sind.

Ansteckungsraten steigen wieder
Besorgniserregend ist hingegen die epidemiologische Entwicklung der Immunschwäche-Krankheit: Weltweit sind inzwischen rund 42 Millionen Menschen HIV-infiziert. In den USA und den mitteleuropäischen Industrieländern sind homosexuelle Männer überproportional betroffen, in südeuropäischen Ländern wie Spanien und Italien vor allem intravenöse Drogengebrauchende. In den Entwicklungsländern dominiert die heterosexuelle Übertragung. In Osteuropa und China trägt seit einigen Jahren die intravenöse Drogenabhängigkeit maßgeblich zur Verbreitung bei.

Aufklärer unter Sparzwang
Nach jahrelanger Stagnation (und teilweisem Rückgang) der Neuinfektionsrate in der westlichen Welt steigt sie in England und den USA wieder leicht an. «Aufgrund der Zunahme anderer sexuell übertragbarer Krankheiten wie der Syphilis und der Hepatitis C müssen wir davon ausgehen, dass bald auch in Deutschland mit mehr HIV-Patienten zu rechnen ist,» so Brockmeyer. Entsprechende Zahlen wird das Robert Koch-Institut in der nächsten Woche präsentieren (http://www.rki.de). Ursachen dieser neuen Sorglosigkeit sind der Verzicht auf Safer-Sex-Praktiken, die Überschätzung der Therapieerfolge sowie Sparmaßnahmen der öffentlichen Beratungsstellen. So können Aufklärungskampagnen vor allem in Schulen nicht mehr so intensiv geführt werden wie früher.

 
Weitere Informationen  
Prof. Dr. med. Norbert H. Brockmeyer, Klinik für Dermatologie und Allergologie der Ruhr-Universität Bochum im St. Josef-Hospital, Gudrunstraße 56, 44791 Bochum, Tel: 0234 509-3471, -3474, Fax: 0234 509-3472, -3475
n.brockmeyer@derma.de
 
Pressestelle RUB - Universitätsstr. 150 - 44780 Bochum
Telefon: 0234/32-22830 - Fax: 0234/32-14136
E-Mail: pressestelle@presse.ruhr-uni-bochum.de - Leiter: Dr. Josef König
 
 
 
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Letzte Änderung: 26.11.2003 13:53 | Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik