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Bochum, 18.12.2003
Nr. 390
  
Wie die Wasserschnecke zum «Solarantrieb» kam
Photosynthese mit geklauten Chloroplasten
Wolfgang-Seel-Preis 2003 an Biologen
  

Eine Alge fressen, ihr die Chloroplasten klauen und damit selbst Photosynthese betreiben so praktisch sind manche Nacktschnecken veranlagt. Wie die Evolution eine solche Lebensform hervorgebracht hat, untersucht Sascha Robakowski in seiner Dissertation (Betreuerin: PD Dr. Heike Wägele, Lehrstuhl für Spezielle Zoologie, Fakultät für Biologie der Ruhr-Universität), die auf seiner Staatsarbeit aufbaut. Für seine herausragende Staatsarbeit «Die Sekundärstruktur des 18S rRNA Gens bei Opisthobranchiern im Vergleich» wurde er bei der Examensfeier der Lehramtskandidaten am 17. Dezember 2003 mit dem diesjährigen Preis der Wolfgang-Seel-Stiftung ausgezeichnet. Das Stipendium unterstützt ihn bei seinem Promotionsvorhaben.

Feinschmecker Wasserschnecke
Wasserschnecken sind Feinschmecker: Die unterschiedlichen Arten der im Meer lebenden Opisthobranchia haben sich z. T. auf eine ganz bestimmte Beuteart spezialisiert. Die Bandbreite reicht dabei von Algen, Moostierchen, Schwämmen und Nesseltieren über Borstenwürmer bis hin zu Krebsen. Manche fressen sogar Artgenossen. Und die Beute dient ihnen nicht nur zum Sattwerden: Die Schnecken können einzelne Bestandteile ihrer Beutetiere «klauen», sie im eigenen Körper einlagern und ihre Funktionen weiter nutzen. So wehren sich einige mit Hilfe geklauter Nesselzellen gegen Feinde, tarnen sich mit Farbpigmenten aus ihren Mahlzeiten oder nutzen Chloroplasten aus Algen, um selbst Photosynthese zu betreiben. So werden sie unabhängig von ihrer Nahrung.

Praktischer Nebeneffekt
Sascha Robakowski will in seiner Dissertation die Anfänge dieses «Zellorganellklaus» ergründen. Man vermutet, dass die «solarpowered» Wasserschnecken die photosynthesefähigen Bestandteile in früheren Evolutionsstadien eigentlich nur eingelagert haben, um ihre Färbung der ihrer Nahrung anzugleichen. Die Ausnutzung der Fähigkeit zur Photosynthese wäre dann erst der zweite Schritt gewesen. Um diese Frage aufzuklären, wird Sascha Robakowski die Stammesgeschichte der großen Gruppen Cladobranchia und Sacoglossa erforschen. Die Cladobranchia fressen Korallen, von denen einige einzellige Algen, sog. Zooxanthellen, beherbergen. Diese Zooxanthellen werden von den Schnecken übernommen. Die Sacoglossa fressen mehrzellige Algen, lagern aber ausschließlich deren Chloroplasten ein. Sascha Robakowski wird zunächst ermitteln, wie häufig innerhalb dieser Gruppen unabhängig voneinander die Einlagerung von Zooxanthellen oder Chloroplasten vorgekommen ist und ob dieser Prozess zu einer erhöhten Artenvielfalt geführt hat. Computergestützte Analysen sowohl der Morphologie, als auch der DNA-Sequenzen der beteiligten Arten sollen dabei helfen. Neben der fachwissenschaftlichen Arbeit will Sascha Robakowski sein Thema auch didaktisch aufbereiten und zu einer Unterrichtseinheit für die Sekundarstufe II verarbeiten. Das Ergebnis will er auch in praktischen Versuchen in der Schule kritisch erproben.

Wolfgang-Seel-Stiftung
Die Emeriti Prof. Dr. Alois Haas (Fakultät für Chemie der RUB) und Prof. Dr. Knut Ipsen (Juristische Fakultät) gründeten 2001 die «Wolfgang-Seel-Stiftung», benannt nach dem ehemaligen Kanzler der RUB. Sie vergibt Promotionsstipendien an Lehrerinnen und Lehrer mit abgeschlossenem 1. bzw. 2. Staatsexamen. Zweck ist, Absolventinnen und Absolventen zu fördern, die nach einer herausragenden Staatsarbeit ein Thema in der Biologie, Chemie, Mathematik oder Physik wissenschaftlich vertiefen wollen.

 
Weitere Informationen  
Sascha Robakowski, Lehrstuhl für Spezielle Zoologie (Prof. Dr. Johann W. Wägele), 44780 Bochum, Tel. 0234/32-24585
sascha.robakowski@rub.de
 
Pressestelle RUB - Universitätsstr. 150 - 44780 Bochum
Telefon: 0234/32-22830 - Fax: 0234/32-14136
E-Mail: pressestelle@presse.ruhr-uni-bochum.de - Leiter: Dr. Josef König
 
 
 
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Letzte Änderung: 18.12.2003 12:29 | Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik