Von Sterbehilfe und mangelnden Spenderorganen
Ruhr-Universität Bochum zum Inhalt Startseite der RUB pix
Startseite Uni Überblick Uni A-Z Uni Suche Uni Kontakt Uni  

pix
 
 
Presseinformation
 
 
pix
Presseinfo 368 » Presseinfos » Startseite Pressestelle
Bochum, 01.12.2004
Nr. 368
  
Von Sterbehilfe und mangelnden Spenderorganen
Sammelband „Weltanschauliche Offenheit in der Bioethik“
RUB-Medizinethik: Ein Thema, viele Antworten
  

Sterbehilfe, humangenetische Beratung, kulturübergreifende Ethik, Mangel an Spenderorganen: Kaum ein Thema verlange so sehr nach Toleranz wie die Bioethik, so die Herausgeber des Sammelbandes „Weltanschauliche Offenheit in der Bioethik“, der vor kurzem erschienen ist (Verlag Duncker & Humblot, Berlin). Dieses Buch lädt ein, sich selbst eine Meinung zu bilden. Wer nach einem allgemeinen Patentrezept der Bioethik sucht, wird enttäuscht sein, denn das haben die Herausgeber nicht parat. Bewusst vielfältig gestalten Eva Baumann, Alexander Brink, Arnd T. May, Peter Schröder und Corinna Schutzeichel den Blick auf die Bioethik. Gewidmet ist das Werk ihrem Doktorvater Prof. Dr. Hans-Martin Sass, dem Begründer des Zentrums für Medizinische Ethik (ZME) der Ruhr-Universität Bochum.

Offen für Unterschiede
Der Sammelband enthält Aufsätze, die die Vielfalt des Themas abbilden. Doch: Wie offen müssen wir sein für Unterschiede oder gar Widersprüche zwischen Meinungen? Wo brauchen wir das Allgemeine Gesetz, auch auf die Gefahr hin, Andersdenkende auszuschließen? Es ist Programm des Bandes, dass der Leser mehr als eine Antwort auf diese Fragen erhält. Säkular und theologisch, biomedizinisch und philosophisch nähern sich die Autoren dem Thema aus verschiedenen Perspektiven.

Welcher Umgang mit der Vielfalt?
Dabei gehen manche Autoren davon aus, dass die Uneinigkeit in Wertfragen – der Dissens – heilbar ist. Deshalb plädieren sie dafür, nicht vorschnell vor dem Wertepluralismus zu kapitulieren und zu kämpfen. Andere dagegen glauben nicht daran, dass Konflikte immer in Konsense auflösbar sind: Sie halten die grundsätzliche Suche nach Konsens für fruchtlos. Eine Mittelposition nehmen jene ein, die nach einer gemeinsamen Schnittstelle in der Vielfalt suchen: Sie wollen einen unverfügbaren, geschützten Bereich bestimmen, in dem wir uns unbedingt einig werden müssen. In anderen Bereichen allerdings könnten wir flexibel sein, Kompromisse schließen und Vielfalt zulassen.

Vielfalt beginnt mit Begriffen
Vielfalt beginnt schon bei den Begriffen, die wir verwenden: Denn so wie physische Gegenstände können wir auch moralische Dinge auf unterschiedliche Weise sehen. Auch die Wahrnehmung von Werten ist nicht eindeutig. Das „klassische Beispiel“ unterschiedlicher Wahrnehmung sei der menschliche Embryo, so die Herausgeber: „In rein biologischer Sicht ist er ein Konglomerat von Zellen, aus religiöser Sicht ein Ebenbild Gottes, aus vernunftidealistischer Perspektive ist er eine Person. Wertbestimmungen und ihre Sprache bestimmen so die moralische Erkenntnis mit.“

Toleranz und Selbstbestimmung
Gewidmet ist der Band dem Bochumer Philosophen und Medizinethiker Prof. Dr. Hans-Martin Sass. Der Titel „Weltanschauliche Offenheit“ verweist auf seine zentrale Forderung in der Philosophie: Toleranz und Selbstbestimmung. In diesem Sinne ist die Vielfalt des Bandes ein Angebot für die Leser, in individueller Verantwortung selbst ihre Wahl zu treffen.

Titelaufnahme
Eva Baumann, Alexander Brink, Arnd T. May, Peter Schröder, Corinna Schutzeichel (Hg.): Weltanschauliche Offenheit in der Bioethik, Duncker & Humblot Verlag Berlin, 2004, 59,90 Euro, ISBN: 3-428-11602-X

 
Weitere Informationen  
Dr. Arnd T. May, Zentrum für Medizinische Ethik der RUB, Tel. 0234/32-22749
may@medizinethik.de
 
Pressestelle RUB - Universitätsstr. 150 - 44780 Bochum
Telefon: 0234/32-22830 - Fax: 0234/32-14136
E-Mail: pressestelle@presse.ruhr-uni-bochum.de - Leiter: Dr. Josef König
 
 
 
Zum Seitenanfang  Seitenanfang
Letzte Änderung: 01.12.2004 11:11 | Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik