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Bochum, 26.10.2005
Nr. 330
  
Post vom Amt – mal verständlich
Moderne Verwaltungssprache: RUB-Forscher starten Online-Projekt
Alle deutschen Kommunen können mitmachen
  

Wer kennt das nicht: Ein Brief vom Amt, und auch beim dritten Lesen hat man noch immer die Hälfte nicht verstanden. Ein Online-Projekt der RUB-Sprachwissenschaftler vom Fachbereich Angewandte Linguistik um Prof. Dr. Hans-Rüdiger Fluck und Michaela Blaha soll helfen: Alle deutschen Kommunen können sich ab sofort unter http://www.rub.de/idema anmelden und fünf Jahre lang auf die Hilfe der Forscher zählen. Sie formulieren in einem interdisziplinären Team Amtsdeutsch um, finden verständlichere, alternative Begriffe für unverständliche Wörter aus der Verwaltungssprache, und das alles auch noch rechtlich wasserdicht. „Es soll eine Art lernendes Online-Wörterbuch entstehen“, so Michaela Blaha. Außerdem ist ein Trainingsprogramm für Verwaltungsmitarbeiter geplant.

Ihre Rechte statt Rechtsbehelfsbelehrung
Ursprung der Idee ist das Projekt „Bürgerfreundliche Verwaltungssprache“, das die RUB-Forscher in den Jahren 2000 und 2001 mit vier Bochumer Ämtern durchführten. Hier heißt es seitdem z.B. statt „Rechtsbehelfsbelehrung“ einfach „Ihre Rechte“ – bedeutet dasselbe, ist aber verständlicher. „Das Projekt hat so großen Anklang gefunden, dass wir noch heute Anfragen aus ganz Deutschland bekommen“, so Michaela Blaha. Diese Hilfegesuche so nebenbei zu bearbeiten ist unmöglich – immerhin müssen Umformulierungen nicht nur gefunden, sondern auch durch einen Juristen geprüft werden, bevor sie in amtliche Schreiben übernommen werden können. „Es ist z.B. rechtlich betrachtet etwas ganz anderes, ob da steht ‚Sie können Widerspruch einlegen’ oder ‚Sie können widersprechen’“, erklärt Michaela Blaha.

Online-Wörterbuch und Hotline helfen
Um dem Bedarf begegnen zu können, ersannen die Spezialisten das Online-Angebot IDEMA (Internet-Dienst für eine moderne Amtssprache): Kommunen, die sich dazu anmelden, nehmen für fünf Jahre am Projekt teil und zahlen je nach Größe für die gesamte Zeit einmalig zwischen 500 und 10.000 Euro. Dafür können sie sich jederzeit einloggen und ihre Fragen loswerden. Für einzelne Stichwörter schlägt das Online-Wörterbuch dann eine Alternative vor und verlinkt nach Möglichkeit auf ein entsprechendes Originaldokument. Eine Grundlage ist schon aus dem Bochumer Projekt vorhanden, der Rest wird mit der Zeit wachsen. Für besonders schwierige Fragen ist eine Hotline geplant.

700 Kommunen werden angeschrieben
Die Forscher hoffen auf eine möglichst große Teilnehmerzahl. „Je mehr Städte und Gemeinden teilnehmen, desto reichhaltiger wird die Datenbank und desto schneller können auch Anfragen beantwortet werden“, so Blaha. Die Stadt Bochum ist schon als erste Teilnehmerin dabei. In den nächsten Tagen werden die Forscher weitere 700 Kommunen anschreiben. Jede Kommune aber kann sich auch auf der Projektseite http://www.rub.de/idema über das Projekt informieren und sich dort zu einer Teilnahme anmelden.

 
Weitere Informationen  
Prof. Dr. Hans-Rüdiger Fluck, Michaela Blaha, Germanistisches Institut der Ruhr-Universität Bochum, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-25099/-27016
idema@rub.de
 
Angeklickt  
Projekt-Homepage:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/idema
 
Pressestelle RUB - Universitätsstr. 150 - 44780 Bochum
Telefon: 0234/32-22830 - Fax: 0234/32-14136
E-Mail: pressestelle@presse.ruhr-uni-bochum.de - Leiter: Dr. Josef König
 
 
 
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Letzte Änderung: 26.10.2005 10:56 | Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik