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Bochum, 29.09.2008
Nr. 301  
  
Einmalige Materialfülle zur Skulpturenkunst
Neu: Das Archiv Ulrich Rückriem an der RUB
Offizielle Übergabe an die Kunstsammlungen
  

Der renommierte Bildhauer Ulrich Rückriem überlässt sein Archiv den Kunstsammlungen der Ruhr-Universität Bochum. Anlässlich des 70. Geburtstages des Künstlers am 30. September geht die einmalige Materialfülle zur Skulpturenkunst offiziell in den Besitz der Kunstsammlungen über. Davon profitiert sowohl die Forschung und Lehre an der RUB wie auch die kunstinteressierte Öffentlichkeit. Rückriem ist der bedeutendste deutsche Künstler im Bereich der gewandelten Gattung Skulptur, die für die Kunst nach 1960 richtungweisend geworden ist. Seit Jahresbeginn hat die Kunsthistorikerin Dr. Annette Urban die Bestände des Archivs an der Ruhr-Universität aufgearbeitet. Ab 1. Oktober übernimmt Dr. Dorothee Böhm aus Hamburg die Leitung des Archivs, das zum kommenden Wintersemester bereits die Lehre des Kunstgeschichtlichen Instituts und die Ausstellung der universitätseigenen Kunstsammlungen bereichern soll. Zur Nutzung steht es ferner im Rahmen von Forschungs- und Publikationsvorhaben offen und bietet Zugriff auf umfangreiches dokumentierendes Foto-Material, an dem das Archiv die Bildrechte hält.

Klare Formsprache veranschaulicht
Mit der großzügigen Schenkung von Ulrich Rückriem verfügen das Campus-Museum und das Kunstgeschichtliche Institut über umfangreiche Bestände an Hand-Zeichnungen, Mappenwerken und Installationsskizzen, die besonders gut die klare Formsprache der steinernen Kuben, Stelen, Scheiben und Reliefs, aber auch den bildhauerischen Schaffensprozess veranschaulichen. Das Herzstück des Archivs bilden rund zwanzig Modelle, die eindrucksvoll die raumbildenden Tendenzen im Werk von Ulrich Rückriem vor Augen führen. Solche Modelle haben in den letzten Jahren für ihn an Bedeutung gewonnen, besonders bei der Konzeption großer Skulpturen-Gruppen. Die Installationsweisen rücken in den Vordergrund, und entsprechend wächst auch der Stellenwert der nun in Bochum archivierten Skizzen und Lagepläne.

Zuwachs für die Kunst am Bau
Die Koordinaten dieser Platzierung der Steine im Raum werden ihrerseits zu Ausgangspunkten für Papier- und Wandarbeiten. Eine solche Wandarbeit von Rückriem, ein „Großer Vogel“, soll in naher Zukunft auf dem Bochumer Campus realisiert werden und das hochkarätige Kunst am Bau-Programm der Ruhr-Universität mit Werken von Josef Albers, Victor Vasarely, Erwin Heerich und Günter Fruhtrunk ergänzen. Das bildhauerische Werk des Künstlers Rückriem ist durch zwei frühe Skulpturen repräsentiert, die sich bereits im Besitz der Kunstsammlungen befinden. Im Zusammenspiel dieses Ensembles mit dem Archiv erschließt sich dem Besucher des Campusmuseums das Werk und der Arbeitsprozess von Ulrich Rückriem auf einzigartige Weise.

Verschmelzung von Skulptur und Architektur
Rückriem arbeitet förmlich im Innern der Steine, die auf den ersten Blick monolithisch erscheinen. Lediglich feine Linien, Lochreihen und Auskerbungen verraten als Bearbeitungsspuren an der Außenhaut die Schnitte und Spaltungen, mit denen der Künstler die rohen Blöcke in kubische Grundformen zerteilt, bevor er sie wieder zur Ausgangsform zusammensetzt. Manche von ihnen erinnern an eine Säule oder eine Tempelfront und verschmelzen auf diese Weise Grundprobleme von Skulptur und Architektur.

Dokumentieren, erproben, entwickeln
Die Skizzen und Lagepläne dokumentieren die Platzierung der Skulpturen zueinander und im Raum und erlauben es dem Künstler, ebenso wie die Modelle, verschiedene Variationen zu erproben und weiterzuentwickeln: Bereits bearbeitete Steine fügen sich dann mit strukturverwandten, noch nicht ausgeführten Varianten zu idealen Ensembles zusammen (zum Beispiel zu einer „Straße der Tempel“). Die Archivalien bieten damit die Grundlage für die kunsthistorische Rekonstruktion und Analyse der Entwurfs-Stadien, der Werkprozesse, der umfangreichen Planungen von ganzen Räumen, eigenen Hallen und Parkanlagen. Sie lassen die Entstehung von Werkserien nachvollziehen, in denen Rückriem zentrale Themen wie das der Teilung oder der Flächenergänzung systematisch entfaltet.

Zeichnung als Werkform
Das nun in Bochum versammelte Material macht es darüber hinaus möglich, die Bezüge zwischen skulpturalen und graphischen Arbeiten zu verfolgen. Aufschlussreich sind gerade die fließenden Übergänge zwischen den verschiedenen Werkgruppen, ihren Medien und jeweiligen Gattungen. Das Verhältnis zwischen Ideenskizze, Ausführung und stellvertretendem Modell oder Zeichnung ist nicht länger linear. Schon seit seinen ersten „Autonomen Graphitzeichnungen“ Ende der 1970er Jahre begreift Rückriem die Zeichnung nicht allein als ein Medium des Entwurfs oder der nachträglichen Dokumentation seiner Steine, sondern als eine eigenständige Werkform. Prozesse der Teilung, die für die Skulptur wesentlich sind, finden Entsprechungen auch im zweidimensionalen Medium – im Auf- bzw. Abtragen von Material, meist Graphit, ein im Gestein eingeschlossenes, zerriebenes Mineral, oder auch in Schichtungen, in der Arbeit mit Transparent-Papier.

Vom Schachbrett zur Projektion
Die Wechselwirkung zwischen Skulptur und Zeichnung kristallisiert sich in den jüngsten Arbeiten vor allem anhand des Rasters, das die großen Skulpturen-Installationen wie etwa in Huesca (1995), Manchester (1998), Berlin (1998), Sinsteden (1999) und Nürnberg (2000) bestimmt. Ein dem Schachbrett vergleichbares Gitterfeld dient dabei der Platzierung der Steine im Ensemble, die dem so genannten Dame-Problem gemäß jeweils nur eine Vertikale, Horizontale und Diagonale besetzen dürfen. Aus großer Entfernung gesehen schließen sich die einzelnen Steine derart zu einem großen Block zusammen, von Nahem hingegen lösen sie sich in ein begehbares skulpturales Feld auf. Im Innenraum orientieren sich diese Installationen häufig am Raster der Bodenplatten. Auf derselben Basis wird in den seriellen graphischen Arbeiten die Verbindung von Punkt, Linie zur Fläche in freien Figurationen im Rasterfeld erprobt, so bei den „Vögeln“, die Rückriem als Folien auf Glas oder als Wandarbeiten realisiert hat. Serielle Graphiken haben sich jüngst im Salon des Oiseaux (2008) zu einem allumfassenden Wandschmuck vervielfältigt. In manchen Arbeiten treten die Schatten der Steine (2005/06) gänzlich an deren Stelle, als Projektionen an der Wand.

Stelen-Installation
Ulrich Rückriem: Stelen-Installation auf der Basis des Dame-Problems (Schach), nach 2002, entstanden im Zusammenhang mit dem „Stelenfeld“ in Langendorf / Zülpich, 2006, Gips, 19,8 x 35,8 x 10,5 cm
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Entwicklung zur Figuration
Ulrich Rückriem: Entwicklung zur Figuration und deren Auflösung (teilweise), 2007, Druck nach Graphitzeichnung, 29,6 x 20,9 cm
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Weitere Informationen  
Dr. Dorothee Böhm, Archiv Ulrich Rückriem, Kunstsammlungen der Ruhr-Universität Bochum, Tel. 0234/32-29394

Sekretariat des Kunstgeschichtlichen Instituts der RUB, Tel. 0234/32-28644
petra.labahn@ruhr-uni-bochum.de
 
Pressestelle RUB - Universitätsstr. 150 - 44780 Bochum
Telefon: 0234/32-22830 - Fax: 0234/32-14136
E-Mail: pressestelle@presse.ruhr-uni-bochum.de - Leiter: Dr. Josef König
 
 
 
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Letzte Änderung: 29.09.2008 09:50 | Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik